Sexuelle Zwangsgedanken: Ein Ratgeber für Betroffene (Teil 1)



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Hast du aufdringliche, ungewünschte Gedanken, andere Menschen sexuell zu belästigen? Hast du Zweifel an deiner sexuellen Orientierung oder sexuelle Fantasien, die du als inakzeptabel oder abstoßend erachtest? Dann könntest du unter sexuellen Zwangsgedanken leiden. Mithilfe von wissenschaftlich nachgewiesenen Strategien ist diese spezielle Form der Zwänge gut behandelbar.

Die meisten Menschen kennen es, schräge, unsinnige oder auch sexuelle Fantasien und Gedanken zu haben. So schnell wie diese Gedanken gekommen sind, verschwinden sie bei normalen Menschen aber auch wieder. Anders ist das, wenn du unter sexuellen Zwangsgedanken leidest: Unaufhörlich wirst du von ungewollten Gedanken, Bildern und Befürchtungen mit sexuellen Inhalten oder Zweifeln heimgesucht. Diese handeln in der Regel von Fantasien, die du selbst als abstoßend und inakzeptabel erachtest (Pädophilie, Zoophilie, Nekrophilie, etc.) oder von der Befürchtung, eine andere sexuelle Präferenz zu haben als man bisher von sich dachte (bspw. wenn du Angst davor hast, homosexuell zu sein, obwohl du eigentlich heterosexuell bist). Und ständig fragst du dich, wieso du diese Gedanken hast, was sie bedeuten und wie du verhindern kannst, dass sie wahr werden. Je mehr du dich aber mit diesen unlösbaren Fragen beschäftigst, desto öfter kommen dir diese Gedanken und desto stärker wird deine Anspannung und dein emotionaler Leidensdruck.

Dieser Artikel soll dir helfen zu verstehen, was genau sexuelle Zwangsgedanken sind, wie sie entstehen, was sie aufrechterhält und wie du sie mit wissenschaftlich nachgewiesenen Strategien nachhaltig überwindest.

Was sind sexuelle Zwangsgedanken?

Sexuelle Zwangsgedanken sind aufdringliche, wiederkehrende Gedanken, Vorstellungen, Zweifel und Impulse mit sexuellen Inhalten. Beispiele sind die sexuelle Belästigung von Mitmenschen/Kindern, Zweifel an der sexuellen Orientierung oder als abstoßend erachtete sexuelle Fantasien. Von Betroffenen werden diese Gedanken als belastend, quälend und unangenehm, aber nicht als lustvoll empfunden, weshalb sie - zumeist erfolglos - versuchen, sich gegen diese Gedanken zu Wehr zu setzen. Weil die Gedanken trotz dessen im Verlauf der Erkrankung immer häufiger und intensiver auftreten, hinterlassen sie eine hohe Anspannung. Um die Gedanken und Anspannung zu neutralisieren, führen Betroffene verschiedene (mentale) Zwangshandlungen aus - wie beispielsweise in sich hineinfühlen, ob die Gedanken für sie nicht doch erregend sind.

Leidest du unter sexuellen Zwangsgedanken, befürchtest du, diese Gedanken könnten etwas über dein wahres Ich aussagen oder sie könnten tatsächlich wahr werden. Genau diese Ungewissheit lässt dir keine Ruhe: Tag für Tag versuchst du, deine sexuellen Gedanken, Vorstellungen und Impulse zu verdrängen, ihren tieferen Sinn zu ergründen oder sie auf den Prüfstand zu stellen.

Hast du beispielsweise pädophile Zwangsgedanken, meidest du vielleicht bereits jeden Kontakt zu Kindern und gehst schnell und unter Angst an Spielplätzen vorbei. Wenn du Zweifel an deiner Heterosexualität hast und Angst davor hast, homosexuell zu sein, bereitet dir vielleicht der Anblick eines männlichen homosexuellen Pärchens auf der Parkbank eine halbe Panikattacke und daher vermeidest du den Gang durch dasjenige Viertel in deiner Stadt, in der viele homosexuelle Menschen leben. Vielleicht schaust du auch pornografisches Material mit einem homosexuellen Paar - nur um zu checken, ob du davon sexuell erregt wirst.

Ein klares Gefühl von Gewissheit hat sich aber schließlich nie eingestellt und so zweifelst du noch heute. Gleichzeitig ist sich ein Teil von dir aber auch bewusst, dass das ganze Thema eigentlich völlig absurd ist und du davon eigentlich nur noch in Ruhe gelassen werden möchtest. Bisher hat aber nichts von allem, was du versucht hast, nachhaltig geholfen.

Beispiele für sexuelle Zwangsgedanken

Sexuelle Zwangsgedanken können jeden erdenklichen sexuellen Inhalt haben, sind aber immer damit verbunden, dass sie starke Zweifel und Anspannung auslösen. Zu den häufigen Zwangsgedanken, Zweifeln, Impulsen und Vorstellungen zählen folgende:

  • Der Zweifel, als heterosexueller Mensch nicht vielleicht doch homosexuell zu sein

  • Der Gedanke, dass man sich von kleinen Kindern sexuell angezogen fühlt

  • Spontane Bilder mit abstoßenden, sexuellen Inhalten (bspw. wie du dich an einem Kind vergehst)

  • Die Befürchtung, sein eigenes Kind sexuell zu belästigen

  • Die Befürchtung sexuelle Handlungen an Tieren oder Objekten vorzunehmen

  • Die Vorstellung, eine fremde Frau zu vergewaltigen

  • Die Feststellung, dass du dich als verheiratete Frau einem anderen Mann hingezogen fühlst, der nicht dein Ehemann ist, und die Überzeugung, dass du dieses Gefühl nicht haben darfst

  • Die Angst, die Kontrolle zu verlieren und jemanden Fremdes zu vergewaltigen

  • Der Impuls, jemanden Fremdes einfach so zu küssen

  • Die Sorge, am eigenen Kind/Baby sexuelle Handlungen durchzuführen (bspw. beim Windelwechseln oder bei Baden)

  • Die Angst, jemanden aus Versehen unsittlich zu berühren

  • Die Vorstellung, die eigenen Kinder könnten einen sexuell erregen

  • Ungewollte sexuelle Vorstellungen mit Menschen aus der eigenen Familie (z.B. Eltern, Geschwister) oder Bekannten (Arbeitskollegen, Freunde)

  • Sexuelle Fantasien mit religiösen Figuren

  • Die Angst, den eigenen Partner betrügen zu können

  • Der Gedanke, dass dein Sohn so süß ist, dass du mit ihm Sex haben könntest

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nicht für dich geeignet, wenn dir eine der oben genannten Vorstellungen zweifelsfrei Spaß machen würde und du dir wünscht, dass diese Fantasie in Erfüllung geht oder wenn du eindeutige Stimmen hörst, die dich zu solchen Handlungen ermutigen. Du solltest dringend professionelle Hilfe aufsuchen, wenn sich dies auf illegale sexuelle Handlungen bezieht, um weitere Schäden an dir und deinen Mitmenschen zu vermeiden.

Welche Befürchtungen lösen sexuelle Zwangsgedanken aus?

Sexuelle Zwangsgedanken lösen bei dir Anspannung aus, weil sich hinter ihnen zumeist konkrete Befürchtungen verbergen. Zu den typischen Befürchtungen hinter sexuellen Zwangsgedanken gehören:

  • Die Befürchtung, dass deine Gedanken niemals aufhören werden

  • Die Befürchtung, dass deine Gedanken bedeuten, dass du eine furchtbare oder unmoralische Person bist

  • Die Befürchtung, dass du deine Gedanken in die Tat umsetzen könntest

Wie bei anderen Zwängen spielt auch bei sexuellen Zwangsgedanken die Angst vor Ungewissheit eine zentrale Rolle: Du fühlst dich nicht in der Lage, die genannten Befürchtungen mit Sicherheit kontrollieren zu können. Dieser Kontrollverlust löst Angst und Anspannung aus, die du erfolglos versuchst, mit Zwangshandlungen, Vermeidungen und Absicherungsstrategien aufzulösen.

Typische Zwangshandlungen, Vermeidungen und Absicherungsstrategien

Bei Zwängen denkst du vielleicht an Wasch- und Kontrollzwänge, bei denen die Zwangshandlungen (waschen, kontrollieren) für Außenstehende sofort ersichtlich sind. Einige Zwänge spielen sich jedoch ausschließlich im Kopf ab. Man spricht hier von „Vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang". Sexuelle Zwangsgedanken fallen in diese Kategorie der Zwänge. Auch wenn sie rein mental ablaufen, unterscheiden sie sich in ihrem Wesen und ihrer Systematik nur unwesentlich von anderen Zwängen und sind daher mithilfe der Kognitiven Verhaltenstherapie genauso gut heilbar.

Wie bei allen anderen Zwängen greifen Betroffene von sexuelle Zwangsgedanken auf problematische Bewältigungsstrategien zurück, mit denen sie versuchen, die oben genannten Befürchtungen zu verhindern oder zu kontrollieren. Wir nennen diese Strategien bewusst „problematisch", denn sie vermitteln den Eindruck, dass sie die Zwangsgedanken auflösen könnten, verursachen langfristig aber genau das Gegenteil. Diese problematischen Bewältigungsstrategien können aufgegliedert werden in Zwangshandlungen, Absicherungsstrategien und Vermeidungen.

Mithilfe von (mentalen) Zwangshandlungen versuchst du aktiv deinen Gedanken, deiner Unruhe und deinen Befürchtungen etwas entgegenzusetzen. Die häufigste Zwangshandlung bei sexuellen Zwangsgedanken ist zwanghaftes Grübeln. Dieses Grübeln hat meist das Ziel, deine Gedanken loszuwerden, sie zu kontrollieren oder dich davon zu überzeugen, dass sie keine Bedeutung haben. Du befindest dich in einer fruchtlosen Endlosschleife aus kurzfristigen Beruhigungen und neuen Zwangsgedanken: „Mein Kind ist so niedlich. Erregt mich dieser Gedanke etwa - finde ich mein eigenes Kind attraktiv - habe ich vielleicht sogar sexuelle Gefühle für mein Kind? Das macht doch überhaupt keinen Sinn, das würde ich niemals wollen. Aber wieso habe ich dann diese Gedanken? Habe ich vielleicht einen unterbewussten Wunsch? Aber es ist doch mein Kind!".

Vielleicht hat dir diese Gehirnakrobatik zu Beginn deiner Erkrankungen noch sehr gut funktioniert und vielleicht verschafft sie dir noch immer kurzfristig eine kleine Beruhigung. Langfristig hat sie jedoch ihre Wirkung verloren und deine Zwangsgedanken nicht besiegt. Vermutlich sind deine Zwangsgedanken sogar trotz dessen immer stärker geworden.

Die folgenden mentalen Zwangshandlungen werden typischerweise vergeblich verwendet, um dir die ersehnte Beruhigung zu verschaffen:

Beispiele für mentale Zwangshandlungen

  • Über die Bedeutung deiner Gedanken grübeln

  • Gedanken verdrängen, kontrollieren oder ersetzen

  • Kontrollieren, ob bestimmte Gedanken oder Gefühle noch da sind

  • Sich ablenken (u.a. auch durch Zählrituale)

  • Sich selbst beruhigend zureden

  • Gedanken argumentativ entkräften

  • Kontrollrituale (bspw. checken, ob man bei dem Anblick eines Kindes eine sexuelle Erregung spürt)

Neben den rein mentalen können auch sichtbare Zwangshandlungen auftreten. Auch diese haben das Ziel, die Ungewissheit deiner Befürchtungen zu eliminieren.

Beispiele für sichtbare Zwangshandlungen

  • Kontrollrituale (bspw. als heterosexueller Mann homosexuelles pornographisches Material ansehen und überprüfen, ob man sexuell erregt ist)

  • Bei anderen Personen Rückversicherung einholen (bspw. die eigene Freundin fragen, ob man vielleicht nicht doch homosexuell oder bisexuell sein könnte)

  • Beim Priester die eigenen Zwangsgedanken und Zweifel beichten

  • Im Internet nach Antworten auf seine quälenden Gedanken suchen

Neben den Zwangshandlungen, mit denen du aktiv versuchst, deine Zwangsgedanken und die damit einhergehenden Befürchtungen und deine Unruhe zu neutralisieren, greifst du höchstwahrscheinlich auch auf Absicherungsstrategien zurück oder vermeidest bestimmte Situationen komplett.

Beispiele für Absicherungsstrategien und Vermeidungen

  • Nur im Beisein des Partners das eigene Kind halten oder die eigenen Kinder gar nicht mehr anfassen (wenn die Befürchtung besteht, sich an dem Kind sexuell zu vergehen)

  • Sich nicht mehr mit Freunden des gleichen Geschlechts treffen (wenn man es nicht aushält, nicht zu wissen, ob man sich von ihnen sexuell angezogen fühlt, obwohl man eigentlich heterosexuell ist)

  • Nicht mehr an Spielplätzen vorbei gehen (bei pädophilen Zwangsgedanken)

  • Vermeidung von Nachrichten und Zeitungen, um nicht über Kindesmissbrauchsverbrechen zu lesen (bei pädophilen Zwangsgedanken)

  • Menschen des anderen Geschlechts nicht mehr in die Augen schauen (wenn du bereits in einer heterosexuellen Beziehung bist und du Angst hast, du könntest auch andere Menschen des anderen Geschlechts attraktiv finden).

Jeder Zwang ist anders und damit genauso die Zwangshandlungen, Absicherungsstrategien und Vermeidungen eines jeden Betroffenen. Vielleicht hast du dich in den oben genannten Beispielen wiedergefunden - vielleicht aber auch nicht. Der konkrete Inhalt deiner Zwangsgedanken ist jedoch sowohl für die Therapie als auch für die Heilungsaussichten irrelevant. Die oben genannten Beispiele sollen in erster Linie veranschaulichen, wie Zwangsgedanken und die problematischen Bewältigungsstrategien ineinandergreifen.

Wie entstehen sexuelle Zwangsgedanken und wie werden sie aufrechterhalten?

Vielleicht fragst du dich, wieso gerade du unter sexuelle Zwangsgedanken leidest. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Biologische Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass Betroffene von Zwängen eine genetische Veranlagung für das Ausbilden von Zwangssymptomen haben. Diese genetische Veranlagung heißt nicht zwangsläufig, dass man eine Zwangsstörung entwickelt, aber sie macht sie wahrscheinlicher. Diese Veranlagung kann sich beispielsweise durch eine geringere Toleranz von Ungewissheit äußern: Deine Schwelle bis sich ein Gefühl für Gewissheit oder Vollständigkeit einstellt, liegt bei dir höher als bei anderen Menschen.

Beispielsweise kannst du die Ungewissheit nicht ertragen, nicht zu einhundert Prozent zu wissen, dich niemals an deinem Kind zu vergehen. Jedem normalen Menschen gelingt es, diesen Gedanken und die damit einhergehende Befürchtung schnell wieder ziehen zu lassen - obwohl bei ihm prinzipiell die gleiche Ungewissheit besteht. Bei dir ist das anders: Das Gefühl von Gewissheit will sich einfach nicht einstellen. Daher hilft dir auch kein stundenlanges Grübeln oder Kontrollieren.

Bei Menschen mit Zwangsstörungen kann man außerdem mithilfe von Gehirnscans eine Überaktivität bestimmter Regionen feststellen. Die gute Nachricht: Diese Überaktivität ist nicht permanent, sondern kann durch die später vorgestellten Tipps der Kognitiven Verhaltenstherapie dauerhaft abgebaut werden. Weiterhin scheint der Botenstoff Serotonin eine Rolle zu spielen. Dadurch kann erklärt werden, dass auch eine medikamentöse Behandlung mithilfe von SSRIs positive Effekte hat.

Psychologische Faktoren und Lernerfahrungen

Entscheidend für die Entwicklung sind auch psychologische Faktoren wie individuelle Persönlichkeitsmerkmale, die Erziehung der Eltern, prägende Lebensereignisse, Lernerfahrungen und Lebensumstände. Beispielsweise könntest du eine zu hohe Leistungserwartung oder zu hohe moralische Standards seitens deiner Eltern internalisiert und dir zu eigen gemacht haben. Vielleicht ist dein Zwang auch erst bei einem prägendem Lebensereignis oder bei anderen belastenden Lebensumständen ausgebrochen. Häufig entwickeln beispielsweise neue Eltern sexuelle oder aggressive Zwangsgedanken ihren Kindern gegenüber.

In der Regel führt die Kombination aus biologischen und psychologischen Faktoren zum Ausbruch einer Zwangserkrankung. Was aber auch immer die Entstehungsgründe für deinen Zwang waren - du hast dir diese Erkrankung nicht ausgesucht. Sie ist daher weder das Ergebnis eines schwachen Charakters noch trifft dich eine Schuld daran.

Wie werden sexuelle Zwangsgedanken aufrechterhalten?

Wichtig ist, dass es zwar Gründe für die Entstehung deines Zwangs gab, diese aber für die Behandlung deiner Zwangsgedanken größtenteils irrelevant sind - ähnlich wie es für einen Raucher, der mit dem Rauchen aufhören möchte, irrelevant ist, wieso er mit dem Rauchen angefangen hat.

In dem Moment, in dem dir zum ersten Mal sexuelle Zwangsgedanken begegnet sind, wusstest du dir nicht besser zu helfen als zu versuchen, deine Gedanken loszuwerden, ihnen eine negative Bedeutung zuzuschreiben und sie zu kontrollieren. Paradoxerweise hat genau das erst dazu geführt, dass deine Zwangserkrankung so richtig ausgebrochen ist und auch weiterhin aufrechterhalten wird.

Wahrscheinlich hast du bereits die Erfahrung gemacht, dass die oben genannten problematischen Bewältigungsstrategien (Zwangshandlungen, Vermeidungen, Absicherungsstrategien) dir vielleicht kurzfristig Beruhigung verschafft haben, aber gleichzeitig dazu geführt haben, dass deine Zwangsgedanken und deine Anspannung langfristig immer stärker wurden. Alle deine Bewältigungsversuche haben bisher nicht funktioniert, sondern das Gegenteil bewirkt: Je mehr du gegen deine Gedanken kämpfst, desto stärker verbeißen sie sich. Das ist auch der Grund, weswegen Zwangsgedanken trotz aller Mühe und Anstrengung nicht einfach so verschwinden. Je mehr Energie du auf den Kampf gegen sie aufwendest, desto stärker kämpfen sie zurück.

Wirksame Strategien gegen sexuelle Zwangsgedanken

Wie du festgestellt hast, hat dir dein bisheriger Umgang mit deinen Zwangsgedanken nicht nur keine Linderung verschafft, sondern sie erst recht verstärkt. Es gilt also, einen anderen Umgang mit deinen Zwangsgedanken zu entwickeln. Dabei gibt es nicht den einen geheimen Tipp, der dich automatisch von deinen Zwangsgedanken befreit. Wenn es den gäbe, dann wären Zwänge für die ca. 2 Millionen Betroffenen in Deutschland kein Problem und sehr einfach zu therapieren.

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Stattdessen geht es darum, einen neuen Umgang mit deinen Zwangsgedanken zu entwickeln, mit dem du lernst, Zwangsgedanken und alle ihre möglichen Bedeutungen zu akzeptieren, ohne mit ihnen zu interagieren. Denn wie oben gezeigt führt erst die Interaktion mit deinen Zwangsgedanken zu ihrer Aufrechterhaltung.

Die Tipps, die wir in den nächsten beiden Teilen vorstellen, haben das Ziel, den gesunden Umgang mit Zwangsgedanken mithilfe verschiedener Strategien und aus verschiedenen Blickwinkeln neu zu erlernen. Diese Strategien basieren auf der Kognitiven Verhaltenstherapie einschließlich Exposition und Reaktionsverhinderung - der einzigen psychotherapeutischen Intervention mit wissenschaftlich belegter Wirksamkeit bei der Behandlung von Zwängen.

Klicke HIER , um "Sexuelle Zwangsgedanken: Zwanghafte Mythen (Teil 2)" zu lesen.

Klicke HIER , um "Sexuelle Zwangsgedanken: Ein neuer Umgang (Teil 3)" zu lesen.
Über die Autoren
Martin Niebuhr

Martin Niebuhr ist Gründer von OCD Land. Als leidenschaftlicher Softwareentwickler mit großem Interesse für Psychologie ist es sein Ziel, Betroffene von Zwangserkrankungen bei der Therapie ihrer Zwänge zu unterstützen. Für die Entwicklung der OCD Land-App kombiniert er moderne Web-Technologie mit praxiserprobten Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie. In seinen Blog-Artikeln informiert er über Zwangserkrankungen und wie Zwänge mit diesen bewährten Methoden therapiert werden können.

Burkhard Ciupka-Schön

Burkhard Ciupka-Schön ist Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen und war von 1995 bis Ende 2000 deren Geschäftsführer. Er ist psychologischer Psychotherapeut und Ambulanzleiter in eigener Praxis. Als Dozent und Supervisor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bildet er angehende Psychotherapeuten aus. Sein Therapie- und Lehrfokus sind Zwangserkrankungen. Burkhard Ciupka-Schön ist Autor des Buches Zwänge bewältigen - Ein Mutmachbuch*.