Meine Hyperbewusstseins-Zwangsstörung und wie ich sie überwunden habe


Er kam auf einmal an einem normalen Sonntagnachmittag als ich mir einen Snack zubereitete. Ein harmloser Schluckauf, nichts weiter schlimm daran, wäre er nicht begleitet gewesen von dem Gedanken „kam das vielleicht gerade, weil ich falsch atme?". Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich übermäßig viele Sorgen um die eigene Gesundheit macht, jedoch war er nun da, der Gedanke „Ich muss auf meine Atmung achten".

Er kam wie ein ungebetener Gast, der in eine harmonische Party hereinplatzt. Nach einigen Minuten verwandelte sich der Gedanke in „wieso kann ich nicht mehr aufhören auf meine Atmung zu achten?". Stunden vergingen, der Gedanke ist nicht verschwunden. Manuelles Ein- und Ausatmen, tiefes Ein- und Ausatmen, als hätte meine Atmung von Autopilot plötzlich auf konzentriertes Eigensteuern umgeswitcht. Nun ist der ungebetene Gast nicht nur unerwünscht anwesend, er fängt auch noch an, die Kontrolle über die Party zu übernehmen. Weitere Stunden vergehen, die erste Google-Suche „Ich kann nicht mehr aufhören auf meine Atmung zu achten". Forum: „Ich leide seit Monaten darunter, mich nur noch auf meine Atmung konzentrieren zu können, Hilfe!" Oh nein. Bin das etwa ich in 6 Monaten? Forum-Helfer: „Lenk dich einfach ab und konzentriere dich auf was anderes. Ich hatte das auch mal, das ging schnell wieder weg". Ich versuche mich mit Social Media abzulenken, lese, schaue einen Film. Der Autopilot war immer noch nicht zurückgekehrt. Um 23:30, 9 Stunden später, kam nun endlich meine erste Panikattacke. Ich rannte raus, lief panisch durch die Straßen, hatte Herzrasen, wie ein Albtraum, „Wieso geht der Gedanke nicht weg? Ich habe die Kontrolle verloren!!" In dieser Nacht habe ich natürlich keinen Schlaf mehr gefunden, mich stattdessen vor Panik übergeben und gezittert bis die Sonne wieder aufging. Der ungebetene Gast hat die Party nun komplett und gnadenlos verwüstet, und ich musste hilflos dabei zusehen.

Ab diesem Tag an war nur noch sehr wenig wie davor. Durch die chronischen Angstzustände hatte ich ständig Herzrasen und das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, was sich natürlich (nicht) hervorragend mit meinem Hyperbewusstsein vertragen hat. Ich rannte öfter zum Arzt, weil ich dachte, mit meiner Lunge stimmt etwas nicht. Jetzt musste ich nicht mehr nur auf meine Atmung achten (obwohl ich es doch gar nicht wollte!), sondern auch noch auf meinen Herzschlag. Mehrfach am Tag habe ich meinen Puls am Hals kontrolliert. Mitgezählt - einundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig - ich stellte ca. 95 Schläge pro Minute fest. An Schlafen war kaum zu denken, mit Fernsehen konnte ich tagesabhängig ca. 1-3 Stunden schlechten Schlaf pro Nacht bekommen, der von halbstündlichem Aufwachen getaktet war.

Keine ruhige Sekunde Ruhe im Körper, keine Sekunde Frieden im Kopf. Angst vor Sport, denn das könnte meinen Puls ja noch mehr erhöhen. Meine geliebten heißen Bäder, die den Puls hochtreiben, waren auch gestrichen. Ich schleppte mich dennoch weiter zur Arbeit, auf der mich Angstattacke nach Angstattacke und Zwangsgedanke nach Zwangsgedanke jagten. Aber das taten sie auch Zuhause. Mein Kopf war voll von „Wird das je ein Ende haben?", „Wieso passiert mir das, werde ich verrückt? Muss ich mich jetzt einweisen lassen?", „Mein Leben ist zerstört, es wird nie wieder schön sein!", „Ich werde nie wieder an etwas anderes als meine Atmung oder die Angst davor denken können! Ich werde für den Rest meines Lebens in ständiger Angst vor meinem Kopf leben müssen und nie aufhören können, auf meine Körpervorgänge achten zu müssen!", und noch vieles mehr.

Meine ersten Überlegungen dem zu entrinnen waren Beruhigungsmittel, Benzodiazepine oder Ähnliches. Vielleicht würden diese den inneren Schmerz etwas mindern. Nach Recherche entschied ich mich aufgrund des hohen Abhängigkeitsrisikos dagegen und auch gegen die absurde Idee, alkoholsüchtig zu werden, um mich und meinen Kopf zu betäuben, weil die Alkoholabhängigkeit mir wie ein geringeres Übel erschien (was es natürlich nicht ist, aber mir wäre in diesem Moment alles lieber gewesen als diese Zwangsstörung). Gegen andere Medikamente entschied ich mich auch, da ich persönlich glaube, mich auch ohne Medikamente von etwas befreien zu müssen. Ich fühle mich unwohl bei der Einnahme, aufgrund der Nebenwirkungen etc., wobei Medikamente vielen Menschen schon geholfen haben.

So vegetierte ich also Tag für Tag vor mich hin, ständig umgeben von meinen Begleiterchen Angst, Zwang, und irgendwann gesellten sich auch Depressionen dazu. Ich sah keinen Sinn darin, so zu leben. Ich wollte es auch gar nicht mehr. An einem Tag kam ich von der Arbeit zurück, setzte mich neben meinen Vater und meine Oma auf die Couch und dachte nur „ich kann nicht mehr, es tut alles weh, ich will nicht mehr leben, ich will den Schmerz nicht mehr, ich kann einfach nicht". Das war mein größter Tiefpunkt. Diese Gedanken werde ich niemals mehr vergessen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas mal denken oder fühlen würde.

Tage vergingen, ich suchte nun nach Wegen, die Angst und Depression zu bekämpfen, die nur eine Begleiterscheinung meiner Zwangsstörung waren. Was mir bei meiner Angst geholfen hat war das Buch „Peace from Nervous Suffering" von Claire Weekes. Es gab mir Hoffnung und eine Art Anleitung meine Angst zu bekämpfen. Durch das weitere Bewältigen meines Alltages, das Halten sozialer Kontakte und die Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen versuchte ich gegen die Depression vorzugehen. Bei irgendeiner Recherche stieß ich schließlich auf den Stichpunkt Zwangsgedanken. Ich informierte mich mehr darüber, nur wurde nirgendwo erwähnt, dass die somatosensorische bzw. Hyperbewusstseins-Zwangsstörung auch dazu gehört. Diese Begriffe habe ich auch erst einige Monate später entdeckt: In einem Nebensatz erwähnt in einem Buch über Zwangsgedanken. Es stand zu dem Zeitpunkt, als ich das Thema Zwangsgedanken entdeckte, zwar nirgendwo (auf deutsch) schwarz auf weiß, aber ich wusste irgendwie trotzdem, dass das, was ich hatte, Zwangsgedanken sind. Die Definition hat so sehr dazu gepasst, obwohl es nicht die „typischen" Zwangsgedanken sind, die von Zwangsstörungen betroffene Personen plagen --wie zum Beispiel sexuelle, religiöse, gewalttätige oder pädophile Obsessionen. Also las ich mehr über die Natur der Zwangsgedanken - wieso sie kommen und bleiben und über den neurologischen Aspekt. Dass sie eigentlich nur kommen und bleiben, weil man Angst davor hat.

Zwischendurch plagten mich Derealisationen und Depresonalisationen. Es kam mir alles auf einmal so unglaublich unecht vor, selbst ich selber. Ich erinnere mich, dass ich meine geliebte Hündin Amy angeschaut habe und gedacht habe, sie ist nicht echt. Oder die Mutter meiner besten Freundin reden hören habe, und sie mir immer unechter vorkam, je länger ich sie angeschaut habe. Ich bekam nun zusätzlich auch existentielle Zwangsgedanken, die mich auch sehr mitgenommen haben. Ich fragte mich, ob wir in einer Matrix leben, oder einer Simulation, wieso wir das tun, was wir tun und wieso wir überhaupt existieren. Ob das nur ein Traum ist, ob ich überhaupt ich bin. Ich fand es komisch, mich und andere anzuschauen, wie sie reden, sich bewegen und eben das tun, was sie tun. Ich fand es sogar komisch, selbst zu reden oder meine Arme und Hände zu bewegen. Es hat mir unglaublich Angst gemacht, über das Leben und die Welt nachzudenken (obwohl das früher eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war), aber mein Kopf hat mich gezwungen, genau wie mit den somatosensorischen Zwangsgedanken. Etwas Hilfe dagegen fand ich auf dem Kanal „freeviebee" auf YouTube und ihrem Blog. Später erfuhr ich, dass einige Leute die somatosensorische Zwangsgedanken haben, auch partiell von DP/DR betroffen sind.

Noch zusätzlich dazu habe ich auch Angst vor der Entstehung anderer Zwangsgedanken bekommen. So nach dem Motto „Mein Kopf tut sowieso was er möchte, also wird er mich bestimmt auch mit anderen Zwangsgedanken plagen". So hatte ich nun auch Angst beispielsweise pädophile oder gewalttätige Zwangsgedanken zu bekommen. Ich wollte keine Kinder mehr sehen, weil ich dachte, so werden diese Zwangsgedanken sicherlich auch bei mir entstehen. Ich habe Familienmitglieder angeschaut und gedacht „oh nein, was wenn ich jetzt einen gewalttätigen Zwangsgedanken bekomme?".

Die Ironie an der Sache ist, dass ich kaum wirklich diese Zwangsgedanken bekommen habe, sondern einfach nur ständig Angst davor hatte, sie zu bekommen, weil ich „die Kontrolle über meinen Kopf verloren habe", und sie dadurch mehr oder weniger provoziert habe. Außerdem hat mich die Angst vor einer Psychose oder Schizophrenie auch nicht verschont. Ich befürchtete oft, ich könnte durch die Zwangsgedanken schizophren werden, ohne es zu bemerken. Natürlich völlig unbegründet!

Im weiteren Verlauf haben sich die somatosensorischen Obsessionen auch immer leicht geändert. Als nach einiger Zeit meine Atmung nicht mehr im Fokus war, achtete ich ständig auf meinen Speichel im Mund und musste schlucken, dachte zwischendrin auch ständig einen Kloß im Hals zu haben, achtete auf mein Blinzeln oder meine Nase vor meinen Augen. Eigentlich völlig egal was, aber immer etwas Körperliches. Am meisten ist aber das Schlucken und das Hyperbewusstsein meines Speichels hängengeblieben.

Ich entschloss recht schnell, dem Ganzen den Kampf anzusagen. Ich hatte also meine somatosensorische Zwangsstörung, begleitet von starker Angst vor allem möglichen (inklusive meines Kopfs), Depression, teilweise DP/DR, Angst vor weiteren Zwangsgedanken, schlechten Zukunftsaussichten, aber zum Glück auch einer großen Portion Hoffnung, dass alles wieder gut wird. Ich tat also nun alles was ich konnte, informierte mich extrem viel über Zwänge, las sehr viel, schaute viel Videos und las Erfahrungsberichte von Betroffenen, wie sie die Zwangsgedanken besiegen konnten.

Es ging auch wieder bergauf, bis ich mich mit Corona infizierte und einen neuen Tiefpunkt erreichte. Somatosensorische Zwangsstörung und Corona - eine unschlagbare Kombination. Ich hatte ständig Angst zu ersticken und traute mich nicht mal mehr einzuschlafen, weil ich befürchtete, im Schlaf zu ersticken. Ich musste wieder ständig tief ein- und ausatmen, obwohl es zuvor schon viel besser und weniger geworden war.

Aber auch das habe ich überstanden, und nach der Quarantäne ging es so sehr bergauf wie nie zuvor. Ich begann zu akzeptieren, dass ich diese Zwangsgedanken habe, ich führte keine mentalen Dialoge mehr mit ihnen. Ich ließ sie da stehen, wo sie waren, und widmete mich weiter dem, mit dem ich beschäftigt war. Ich dachte/sagte mehrmals am Tag die Affirmation „ich akzeptiere den Zwangsgedanken, lasse ihn da stehen, wo er ist, und lasse ihn auch wieder gehen". Ich hatte auch das Buch „Tyrannen in meinem Kopf" von Sally M. Winston gelesen, in dem ein Selbsthilfeprogramm (mit neurologischer Erläuterung zu Zwangsgedanken) erklärt wird, an dem ich mich unter anderem auch orientierte.

Im Endeffekt „bastelte" ich mir irgendwie die gegen Zwangsgedanken und Zwangsstörung allgemeinbekannt, effektiven Therapiemethoden selbst zusammen. Ich hatte/habe zwar eine Therapeutin, aber musste leider feststellen, dass man mit somatosensorischer Zwangsstörung oft fehldiagnostiziert wird. Allgemein ist das tiefgehende Wissen über Zwangsgedanken/Zwangsstörungen bei vielen Therapeuten immer noch begrenzt, geschweige denn das Wissen über den Subtyp Hyperbewusstsein. Deshalb bezog ich explizites Wissen über diesen Subtyp aus dem englischsprachigen Raum (englisch: „Somatic/Sensorimotor/Hyperawareness OCD").

Durch Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie, wie das Aufschreiben und Bewerten irrationaler Gedanken, habe ich gelernt, diese anders zu bewerten. Ich habe beispielsweise geschrieben:

Gedanke: Ich kann nie wieder glücklich werden, ich werde für immer mit diesen Gedanken gefangen sein und werde mich niemals auf etwas anderes konzentrieren können.

Fehlbewertung: Katastrophisierung / Maginifizierung

Einwand: Durch die Neuroplastizität kann das Gehirn sich jederzeit verändern, man ist nicht für immer gefangen. Selbst mit diesen Gedanken könnte ich aber glücklich leben, da ich trotzdem körperlich gesund bin und alles machen kann. Wenn ich diesen Gedanken einfach stehen lasse und ihm keine Aufmerksamkeit schenke, gewinnen andere Gedanken durch anderen Input mehr Beachtung. usw...

Das habe ich jedoch nicht zu oft gemacht, da dieses Argumentieren (auch im Kopf) sich auch zu einer mentalen Zwangshandlung entwickeln kann. Im Alltag sollte man einfach ohne Argumentation den Gedanken stehen lassen, ihn akzeptieren und weiter mit dem Leben und dem, was man gerade tut, fortfahren.

Es ist auch hilfreich zu wissen, dass das bewusste Konfrontieren mit den Zwangsgedanken (Exposition mit Reaktionsmanagement) vielen Menschen mit „Somatic OCD" sehr hilft. Man konfrontiert sich also bewusst mehrmals am Tag selbst mit diesen Gedanken (z.B an die Atmung denken), um die Angst kommen und vorbeiziehen zu lassen. So lernt das Gehirn, dass der der Gedanke keine Bedrohung ist, senkt folglich das Angstlevel und sendet weniger oft den Gedanken ins Bewusstsein. Die Gedanken kommen nämlich nur so oft und bleiben kleben, weil man Angst davor hat. Ich persönlich habe auf diese Expositionen verzichtet, da ich der Meinung war, dass es reicht, wenn ich sowieso öfter am Tag den Gedanken bekomme, ihn stehen lasse und rational und mit wenig Angst auf ihn reagiere. Im Prinzip habe ich mich also vor allem auf das „Reaktionsmanagement" konzentriert und versucht, die Gedanken, Gefühle und Befürchtungen stehen zu lassen, ohne auf sie weiter einzugehen. Jedoch hat dieser Ansatz mit der absichtlichen Exposition schon unglaublich vielen Betroffenen geholfen. Expositionen mit Reaktionsmanagement sind der Goldstandard für die Behandlung von Zwängen.

Das Praktizieren von Akzeptanz ist jedoch denke ich das, was mir am meisten geholfen hat. Dr. Albert Ellis (amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut) schreibt in seinen Büchern über die REBT (Rational Emotive Behavior Therapy, der Vorgänger der kognitiven Verhaltenstherapie), wie man Akzeptanz üben kann, und wie sich das Üben von Akzeptanz und das Trainieren rationaler Denkvorgänge positiv auf das Wohlbefinden und die Psyche eines Menschen auswirken kann. Seine Bücher kann ich auch sehr empfehlen. Akzeptanz braucht jedoch Zeit und Geduld und ist kein Schalter, den man umlegt und auf einmal alles akzeptieren kann. Es ist ein Prozess, der jeden Tag und mit jedem Zwangsgedanken stattfinden muss. Mit der Akzeptanz merkt man auch, wie viel Leid man sich selbst gemacht hat. Denn mit Akzeptanz und rationalem Denken sind die Zwangsgedanken höchstes extrem nervig, aber keineswegs bedrohlich oder ein Grund zur Panik - und keine Hürde, die dem Leben oder der Zukunft im Weg steht. Lediglich ein nerviger Begleiter, wie ein Kobold, der ständig im Nacken irgendwas vor sich herbabbelt, den man aber einfach babbeln lassen kann und ignoriert, nicht darauf eingeht. Irgendwann hat er immer weniger Lust zu babbeln.

Man sollte sein Leben weiterleben. Weiter arbeiten/studieren/zur Schule gehen, weiter Freunde treffen, mit der Familie Zeit verbringen, Hobbys nachgehen, spazieren, einfach alles was man gerne macht. Auch mit den Zwangsgedanken. Der Zwang will genau das, dass du auf ihn eingehst und dich einschränkst. Aber diese Genugtuung sei ihm nicht gegönnt.

Mit der Kombination aus dem allem, ist es mir gelungen, die Angst vor meinen Zwangsgedanken nahezu komplett zu verlieren. Sie haben mich beim Ausbruch der Zwangserkrankung durchgehend und dauernd begleitet, Panik und Angst in mir ausgelöst und mich in dem „anxiety cycle" festgehalten, der die Zwangsgedanken am Leben hält. Zu diesem Zeitpunkt lag mein persönliches Leidenslevel bei 100%. Jetzt, einige Monate später, liegt es bei ca. 10-30%, je nach Tagesform. Wenn ich beschäftigt bin, z.B. mit Freunden bin oder bei der Arbeit, habe ich die Zwangsgedanken nur noch selten. Sie kommen nur noch, wenn ich im Bett liege und nichts tue. Aber auch da sind sie nur extrem nervig, aber keine Bedrohung mehr. Ich lasse sie einfach im Hintergrund mit mir koexistieren.

Und mit jeder Woche wird es immer besser. Ich bin wieder in der Lage, so viele Momente zu genießen und weiß jetzt, dass nichts für immer ist, selbst der Zwang nicht, wenn man es richtig angeht. Weißt du noch die Metapher mit dem ungebetenen Gast auf der Party am Anfang? Der sitzt jetzt rum und labert irgendeinen Schwachsinn vor sich her, nervt jeden, keiner will ihn dahaben, er ist trotzdem da, aber wird sicherlich irgendwann gehen, wenn er merkt, dass sich niemand für ihn und das, was er vor sich hinlabert, interessiert. Jeder weiß, er ist da, aber keiner beachtet ihn, alle konzentrieren sich auf die Party und das Essen, reden und lachen weiter. Aber er nervt eben noch eine Weile, bevor er immer leiser wird und verschwindet. Wieso sollte man auch bleiben, wenn man ignoriert wird?

Ich habe mir, als ich an meinem Tiefpunkt war, geschworen, dass ich versuchen werde, anderen zu helfen, falls ich dort jemals rauskommen sollte. Glücklicherweise ist es mir gelungen, wenn auch noch nicht hundert Prozent, aber zu einem sehr großen Teil. Deshalb habe ich YouTube-Videos zu dem Thema veröffentlicht, denn ich will anderen, die dasselbe Problem haben und so verzweifelt sind wie ich es war, den langen und schmerzhaften Prozess, bevor man weiß was Sache ist, ersparen und ihnen direkt gute Ansätze mitgeben, wie man das bewältigt.

Ich wünsche jedem, der damit gerade zu kämpfen hat, eine schnelle und gute Genesung und eine Menge Kraft. Man kann absolut alles hinbekommen, wenn man es möchte, und jeder kann es schaffen. Sowas wie Behandlungsresistenz gibt es meiner Meinung nach nicht.

Sarina, 20 Jahre

Wenn du mehr über meinen Umgang mit der Hyperawareness-Zwangsstörung erfahren möchtest, dann findest du meine YouTube-Videos hier und hier.

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